"Das Uni Leben in zwei fremden Städten, in einem fremden Land und das alles neun und zwölf Stunden von zu Hause entfernt"

Dienstag, 21. April 2009

„Solly, I undelstand never!“

Oder: Missverständnisse.

Oder aber auch: Sprachbarrieren, die schnellstmöglich behoben werden wollen.


(die Überschrift ist übrigens ein Zitat einer asiatischen Schülerin, die hier her gekommen ist, scheinbar mit dem Ziel zumindest das survival-Englisch des ersten Levels zu erwerben, denn für sie ist die englische Sprache wie für uns chinesisch!)


Ein Ausschnitt von „Jana, in der großen weiten Welt.“

First off all sei gesagt, dass wirklich der allergrößte Teil der sich hier befindenden Asiaten kaum ein Wort englisch spricht, versteht oder es vielleicht schlicht und einfach nicht verstehen will (Tendenz steht aber auf Besserung!)

Und wer kennt es nicht? Man spricht einen Asiaten an und bekommt als Antwort ein verlegenes Gekicher mit einem verbundenem Nicken.

Kürzlich in einer unserer iLab-Stunden (der online-Unterricht, von dem ich bereits berichtet habe)…

Hierfür sitzen wir in unserem Klassenverbund in 2 Räumen. Jeder bearbeitet an seinem eigenen PC in Stillarbeit mit einem Kopfhörer auf den Ohren seinem Level-Entsprechende Aufgaben.
Um mich und auch die anderen meiner Mitschüler schlich die ganze Zeit eine mir unbekannte, etwas verwirrt wirkende, zierliche Asiatin (es ist übrigens sehr schwer diese sehr ähnlich aussehenden Menschen auseinander zu halten) und schaute hin und wieder wortlos über meine Schulter. Es ging mir ja kürzlich nicht anders: ich hatte überhaupt keine Ahnung wie ich diese neue Art von Unterricht bewältigen sollte und was genau zu tun war. Aufmerksam, freundlich und nicht zuletzt etwas genervt von ihrem blöden „Gegaffe“, fragte ich sie irgendwann (in freudiger Erwartung auf das verlegene, nickende Gekicher) in meinem einfachsten, langsamsten und deutlichsten englisch:

„C-a-n I h-e-l-p y-o-u?“


Und –hmmmm, komisch, wie als hätte ich es geahnt :-) - breitete sich auf Ihrem Gesicht ein Grinsen aus, sie kicherte und schaute leicht irritiert drein. Pro Tag eine gute Tat und mit der Gewissheit, dass sie mich nicht verstanden hatte, drehte ich mich wieder um und hoffte nicht weiter von ihr „belästigt“ zu werden.

In dem gegenüberliegenden Computerraum saß zeitgleich Steven mit seiner Klasse und hatte den gleichen Unterricht. Nach der Unterrichtseinheit holte ich Steven zum Essen ab und da war Miss-understood wieder und schlich um Steven und seine Mitschüler herum. Irgendwann sagte sie doch tatsächlich etwas in zusammenhängenden Sätzen und es hörte sich wundersamerweise in meinen Ohren gar nicht mal so verkehrt an. Ich errötete und fragte Steven, ob sie seine Lehrerin sei.

Er entgegnete (sinngemäß): „Ja, wieso?“….

Eine andere Situation…

Jana (zu einem Asiaten): Hello, what’s your name? (An dieser Stelle würde Steven übrigens wieder zu mir sagen “Guten-Tag-Klaus“)

Asiate: (gekichert) OK.

Jana: What’s your name?

Asiate: (gekichert) OK.

Jana: yeah, fine. But what’s your N A M E?

Asiate: OK!

Jana: I didn’t ask you, how you are. I ONLY want to know your NAME. (mit Händen und Füßen und sehr langsam) My name is J A N A.

Asiate: (flüssig) Yes, and my name is OK.

Isn’t it funny?

Neulich planten wir im Englisch-Unterricht einen Ausflug (fieldtrip) zu einem electronic-Laden a la Media Markt oder Saturn. Da mein Lehrer zwei Level-5-Klassen täglich einmal vormittags und den anderen nachmittags unterrichtet, musste er die Planung dafür auch noch in zwei Klassen auf sich nehmen. Während wir abklärten, wer wie am nächsten Tag dort hingelangt, textete mich meine Tischnachbarin Yuki Puki Kawashimoto (oder so ähnlich) die ganze Zeit während des Unterrichts auf einem Englisch zu, dass sich für mich anhörte wie das Vorlesen einer japanischen Speisekarte. Irgendwann verließ mich meine Geduld und ich drehte den typisch-asiatischen-Verhaltenskodex-Spieß um: Alles was ich tat, war:

nicht zuzuhören (!!),

freundlich zu kichern

und zu nicken, sobald eine Antwort erforderlich SCHIEN
(Steven, bist du auch ein Asiate?).


Einmal fragte sie mich scheinbar das gleiche mehrmals. Ich drehte mich zu ihr, kicherte und nickte.
Ja, ja, welch Interesse mir entspringt mich mit denen zu „unterhalten“.

Am nächsten Tag also machten wir uns in der Mission „technological future“ auf zu unserem Ausflugsziel. Nichts ist einfach nur so: hier bekamen wir natürlich auch Aufgaben von unserem Lehrer gestellt. Wir sollten dem Service-Personal in der Computerabteilung kundengemäß und authentisch auf den Zahn fühlen (darauf gehe ich später noch mal ein).
Naja, da ich keine andere Möglichkeit habe, zu diesem Laden zu kommen, musste ich im Van meines Lehrers mitfahren, was am Tag zuvor aber ausführlich besprochen wurde, während Dings mich vollsabbelte.
Die Jungs aus meinem Kurs sind gleich zuhaus geblieben, weil sie sich scheinbar schon gedacht haben, welch peinlichen Aufgaben wir uns stellen würden (müssen) und auch meine Klette und Streberin hoch zehn Yuki Puki Kawashimoto war nicht da (das erste Mal seit ihrer Ankunft im Januar).


Ich bekam die ehrenvolle Aufgabe herauszubekommen, was der Unterschied zwischen einem Desktop und einem Laptop sei. Als wenn diese Frage nicht schon eindeutig und gleichzeitig dumm genug sei, sollte ich unter Berücksichtigung der Anwendung der zuvor gelernten Adjektive das Personal vor Ort fragen, was denn nun der Unterschied sei.

Ein Lachen konnte sich der befragte junge Herr nicht verkneifen und beantwortete mir das, was ich unglaublicherweise ohnehin schon wusste, in genau einem Satz.

Mein Lehrer schlich durch die Reihen und gab mir mit seinen Blicken zu verstehen, dass ihm dies nicht ausreichte. Ich tat als ob ich es nicht bemerkte und gab vor, mich für die Preisschilder der ausgestellten Laptops zu interessieren. Dann striff mich mein Lehrer und flüsterte, dass ich bitte noch weiter auf die Fragestellung eingehen solle. Irgendetwas in mir sträubte sich aber total dagegen und ich unterließ es. Stattdessen kam der junge Mann, dem ich die Fragen stellen sollte, zu mir und sprach so schnell und akzentuiert auf mich ein, dass ich nur Bahnhof verstand und auch nach 2-maligem „pardon“ (=wie bitte?) vielleicht gerade beim Hauptbahnhof angekommen war. Da ich ihn nicht noch mal darum bitten wollte, sich zu wiederholen, lächelte ich verlegen und gleichzeitig verwirrt und nickte (auf dass er mich dann in Ruhe ließe).

Kurze Zeit später hatte mein Lehrer scheinbar –warum auch immer- mit dem Personal zu tun.

Das war mir aber gleichgültig, schließlich benötigte ich noch einen Adapter, der auf meine dt. Stecker von Netzkabeln passte und diese somit in die amerikanischen Steckdosen passten. Mit aller Seelenruhe machte ich mich auf die Suche danach.

Als Letzte stieß ich am Ausgang auf meine Gruppe, die mit meinem Lehrer in ein Gespräch vertieft war.

Da der teacher am Tag zuvor schon mit seinem anderen Kurs in der Computerabteilung des Ladens herumlungerte und die Schüler, die sich als Kunden ausgaben und auch als solche ausgeben sollten, beobachtete, schien er da schon merkwürdig aufgefallen zu sein. Am nächsten Tag dann das gleiche Spiel mit uns, anderen Mädels… Das Personal konnte dies nicht einordnen und ich beantwortete die Frage, ob ich mich belästigt von „dem Beobachter“ fühlte mit einem nickenden, gequälten, verlegen Lächeln ohne ein Wort zu verlieren. Da musste das Personal eindeutig auf Nummer sicher gehen.
Er musste sich sogar als Lehrer ausweisen.

Aber ganz ehrlich: wer würde nichts "komisches" von einem mittelgroßen rot-braunhaarigen Kranzhaar-Frisur Mann in einem blauen Satin-Kimono mit eingestanzten Drachen, einer Hochwasser-verwaschenen-Jeans, bordeuax-roten Strümpfen und schwarzen Cowboy-Hut mit Schnur unterm Kinn denken???

Ups!

Ach ja, und meine Sitznachbarin, die außerhalb in einer Gastfamilie wohnt, fragte mich am Tag zuvor, ob ich ein Auto besäße, wir uns vor dem Ausflug vor unserem Klassenraum treffen könnten und ich sie mitnehmen könne.

„Solly, I undelstand never!“

Auf wen das wohl zutrifft?

PS: es passt in diesem Zusammenhang zwar gar nicht, aber ich möchte an dieser Stelle öffentlich bekannt geben, dass ich das Wochenende mit Jenny hier in San Diego (sie als mein roommate) sehr genossen habe. Wenn ich einen Wunsch frei hätte – und ich habe ja bald Geburtstag-, würde ich mir wünschen, dass sie hier bei uns bliebe (bis Dezember IoI).

Hopefully (welche Hoffnungen ich habe, kann sich nach diesen Geschehnissen wohl jeder zusammen reimen),

Jana :-)

2 Kommentare:

  1. HAHAHHAHAHA Ich hab mich ja wohl so was von weg geschmissen als ich das alles gelesen habe :)
    Sehr gut Jana, sehr sehr gut, erzaehlung wie auch die Geschichte selber hehe
    Ach uebrigens ihr wart wohl bei Best Buy oder? Haste dir denn da auch gleich nen Foehn geholt? :)

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  2. Ich dachte das wuerde sofort sichtbar werden wenn ich mich mit meinem blog anmelde, is wohl nich so Herr Sachs :P

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