"Das Uni Leben in zwei fremden Städten, in einem fremden Land und das alles neun und zwölf Stunden von zu Hause entfernt"

Mittwoch, 1. Juli 2009

Der Holzmichel lebt noch

Ja mich gibt es noch. Seitdem man weiß, dass Jana nicht mehr hier bei mir ist, versucht meine Familie verzweifelt ein Lebenszeichen von mir zu erhalten. Also hier bin ich!!! Ich lebe…

Als ich vor zwei Wochen Jana zum Flughafen gebracht habe, war es schon sehr komisch, schließlich haben wir bisher alles gemeinsam hier erlebt. Wir haben uns gemeinsam über die Beknackten hier lustig gemacht und wenn wir keine Lust auf die anderen hatten, haben wir uns einfach zurückgezogen. Hier erinnert natürlich alles an Jana und wie man sie auch kennt hat sie natürlich überall und bei jedem einen bleibenden Eindruck hinterlassen, natürlich nur im positiven Sinne. Es ist schwierig den Leuten zu erklären, dass wir uns nur räumlich getrennt haben und der Grund dafür die gemeinsame deutsche Sprache war, schließlich sprechen grade die meisten Franzosen nur französisch untereinander, noch schlimmer sind die Spanier…

Seit Jana nicht mehr hier in San Diego ist, spreche ich kaum noch deutsch. Es gibt noch ab und zu Situationen (wenn ich mit Schweizern unterwegs bin), dass wir die deutsche Sprache benutzen. Da von denen aber viele gewaltige Probleme mit der hochdeutschen Sprache haben, auch die die aus dem deutschen Teil kommen, lassen wir es dann auch ganz schnell wieder bleiben. Es sind zwar auch neue Deutsche angekommen, da ich die aber alle nicht mag, fällt es mir nicht schwer mit denen kein deutsch zu reden, weil ich allgemein überhaupt nicht mit ihnen rede.

In den letzten zwei Wochen war ich ziemlich viel unterwegs, dass Wetter wird immer besser, so dass wir sehr häufig mit vielen Leuten an den Strand fahren. Es ist schon sehr interessant, wenn man mit soviel verschiedenen Nationalitäten unterwegs ist, so waren wir z.B. letzten Sonntag mit 30 Leuten vom Campus am Strand von LaJolla. Es waren Franzosen, Japaner, Schweizer, Spanier, Brasilianer, Araber, Italiener und me, der Deutsche, da. Es ist immer wieder interessant, schließlich kommen wir aus ganz unterschiedlichen Kulturen, dennoch ist es so. dass wir über die gleichen Dinge lachen oder uns über die gleichen Dinge ärgern oder lustig machen, gleichgültig ob man nun vom Westen, Osten, Norden oder Süden der Erde kommt. Dennoch ist es nicht immer ganz einfach, wenn nicht sogar teilweise zum aus der Haut fahren, wenn man auf so viele unterschiedlichen Landestypen trifft. Das Wort "Pünktlichkeit" ist wohl eine Erfindung von Herrn Langenscheidt, alle andern können mit dem Wort nichts anfangen. Gestern wollte ich mich mit jemandem am Strand treffen, der kam ganze 1,5 Stunden zu spät! Häufig passiert es auch das man gemeinsam etwas für den nächsten Tag plant und wenn man dann am nächsten Tag vor deren Tür steht, erfährt man von seinem Roommate, dass derjenige schon seit 2std. an einem ganz anderen ort ist und man dann mehr oder weniger alleine da steht. Leider ist hier auf niemanden Verlass und so fällt es mir schwer feste Termine mit Leuten abzumachen, weil die Gefahr einfach zu groß ist am nächsten Tag alleine auf dem Parkplatz zu stehen. Man muss es leider so ehrlich sagen, aber so ein Problem kannte ich in dieser Härte noch nicht aus Deutschland und es fällt mir schwer Vertrauen oder gar richtige Freundschaften zu den Leuten aufzubauen, so nett auch einige von ihnen sein mögen.

So in den letzten zwei Wochen haben wir nicht viel mehr Spektakuläres unternommen als zu den verschiedenen Stränden zu fahren. Letzten Sonntag war wie gesagt ziemlich besonders, weil wir soviele vom Campus waren. Wir haben Volleyball gespielt gegen Amis, 4 gegen 4 American Football gespielt mit Amis und waren viel im Wasser. Ich habe sogar versucht zu Surfen, das ist jedoch total in die Hose gegangen, weil die Wellen zu hoch waren und ich einfach eine zu große Phobie gegenüber Haien habe. An dem Strand, an dem ich das Surfen ausprobiert habe, wurde sogar vor einem Jahr ein 60 Jahre alter Mann von einem weißen Hai angeknabbert, sodass mich das tiefe Wasser, wo ich nicht mehr stehen kann, überhaupt nicht reizt. Es war dennoch ein toller Tag. Während der Woche versuche ich meinem neuen Lieblingshobby nachzugehen: dem Fitness. Ich stelle mich also mit meinen spaghettiarmen neben Muskelmänner und versuche mit höchster Kraftanstrengung meine Mickymaus Gewichte in die Luft zu stemmen. Den Sinn werde ich dabei nie verstehen, da sie uns jetzt aber auch noch auf dem Campus unser geliebtes Basketballsspielen gestrichen haben, muss ich mich irgendwie anders sportlich betätigen.

Ein weiter Grund ist:


6 Mal Panda Express

5 Mal Taco Bell

4 Mal McDonalds

4 Mal Carl´s Junior

3 Mal IN-N-Out

2 Mal Wendy´s

26 Mal FAST FOOD


Was sich anhört wie der Traum eines jeden Kindes, ist in Wahrheit die traurige Bilanz eines armen deutschen Jungen, der langsam nicht mehr weiß, was er essen soll, weil ihm der ganze Mist aus den Ohren raus kommt…
Das Essen hier auf dem Campus ist nicht schlecht, aber mehr auch nicht und so muss man sich dann nach Alternativen umschauen, erst recht wenn man der Willkür der Cafeteria-Öffnungszeiten ausgesetzt ist. Nicht jeder Student hat Lust sein Abendbrot um 17:00 Uhr zu verzehren und vor allem nicht wenn man erst um 13:30 Mittag gegessen hat oder vielleicht noch Sport machen möchte/muss. Abends und damit ist sicherlich nicht 17 o. 18 Uhr gemeint, geht man dann auf die Jagd. Auf die Jagd nach schnellem günstigen essen. Man könnte das Gefühl bekommen, dass jeder Amerikaner, der schon mal eine Frikadelle gewendet hat, seine eigene Burgerkette aufmacht. Die Auswahl ist dabei wahnsinnig groß. Neben den traditionellen Burgern von McD und Burger King gibt es noch ca. 10 weitere Burgerketten, die so sinnvolle Namen haben wie "Jack in the Box" oder der Favorit von meinem Vater IHOP O-Ton von ihm:
“I hope, dass ich das essen überleben werde“
IN-N-Out ist dabei noch mein Favorit. Diese Kette hat nur drei Burger im Sortiment, aber sie werden wenigsten noch frisch zubereitet (wirklich sehr lecker). Richtig oldschool.

Des Weiteren gibt es noch mehrere Pizzaketten oder auch Panda Express, wo man eine Art chinesisches Essen bekommt. Man kann sich zu dem Reis oder Nudeln drei verschieden Sorten von zubereitetem Fleisch oder Gemüse aussuchen. Es ist lecker aber auf die Dauer auch nervig oder Jana?

Als letztes gibt es noch Taco Bell, hier gibt es verschiedene Arten von NA???? Tacos!


Worauf ich hinaus möchte, dieses Essen macht mich nicht glücklich. Das Beste Essen seit langem gab es am Strand, als uns jemand ein übrig gebliebenes Stück Pute angeboten hat. Es hört sich vielleicht blöd an, aber für mich war es ein Feuerwerk des Geschmacks.


Da ich jetzt ja diesem komischen Muskelsport nachgehe, bei dem man sich die ganze zeit wie beim Friseur im Spiegel betrachtet, ist dieses Essen ja total kontraproduktiv. Wobei eigentlich wäre es typisch amerikanisch, schließlich bestellen sich die (nach meiner Meinung) nicht übermäßig vielen dicken Frauen hier auch immer das fettigste Burger Menü und trinken dazu aber eine Diet Coke.
Echtes essen findet man hier nur sehr schwer und es ist meistens teuer. Letztens habe ich für ein bisschen Aufschnitt, Butter und drei Brötchen 13 Dollar/Bucks bezahlt. Das Essen entwickelt sich also langsam zu einem echten Problem, aber eine gute Sache hat es, ich habe schon 4 kg abgenommen. Außerdem habe ich mit mir selber einen mündlichen Vertrag abgeschlossen, welcher mir untersagt auch nur noch einmal zu den bekannten Burger Ketten zu fahren. Einzige Ausnahmen sind IN-N-Out Burger, weil sie so verdammt gut sind, alle Burger in richtigen Restaurants sowie Panda Express, schließlich muss ich ja von irgendetwas leben. Des Weiteren werde ich fleißig ins Fitness Studio gehen, damit ich am Ende mit Stolz endlich die T-Shirts von Abercrombie and Fitch tragen kann. Hier auf dem Campus trägt zwar jeder Junge bereits ein Shirt von dieser Marke, es sieht bei allen aber gleich beschissen aus, weil der Schnitt sehr extrem auf schlanke, gut gebaute Männer ausgelegt ist. Mein Benchmark! Vielleicht bringe ich ein paar Lieben, von euch zu Hause, auch ein T-Shirt mit als Zeichen meiner Annerkennung. Andere müssen auch noch ein bisschen an sich arbeiten, aber die wissen auch schon, wen ich damit meine;).

Was passiert hier sonst so noch: Hier ist im Moment nicht all zu viel los. Falls man doch mal mit mehreren Leuten gemeinsam in einer „Wohnung“ hockt, dann kommt irgendwann die „Campus Polizei“ und löst das beisammen Sitzen auf. Ab und an könnte man das Gefühl haben, es handle sich hier um einen offenen Entzug mit Ausgangssperre und weit ab von der menschlichen Zivilisation. Fehlt nur noch, dass wir Zebragestreifte Pyjamas tragen müssen. In den nächsten Wochen kommen aber ganz viele neue an unter anderem auch Russen. Aus diversen Türkeiurlauben weiß ich ja bereits wie sich besser konstituierte Russen in ihrer arbeitsfreien Zeit verhalten. Wir haben auch bereits unglaubliche Storys aus den letzten Jahren von ihnen gehört. Ich hoffe einfach mal, dass es nicht allzu schlimm wird und so das sich meine ganz persönliche deutsch-russische Freundschaft nicht noch ein weiteres Jahr verlängert.

Was uns hier zurzeit beschäftigt, ist der unglaubliche Road-Trip von zwei Schweizern, einem Deutschen und einem Dänen, die sich mit einem 30 Jahre
alten Wohnmobil auf die Reise von SD nach Boston gemacht haben. Auf dieser Reise werden sie die Route 66 hoch nach Chicago fahren über Detroit nach Boston. In Boston wird dann nicht einfach zurück geflogen, nein, sie fahren zurück über New York und Washington. Sie werden deutlich über
10 000 Kilometer zurück gelegt haben. Zurzeit sind sie grade in Detroit und der Blechhaufen fährt noch. Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht, weil ich meine Bewunderung für diesen unglaublichen Trip nicht ganz verbergen kann. Alles in Allen haben sie knapp 26 Tage für den Trip kalkuliert, für mich wäre das eindeutig zu lange, aber wer weiß vielleicht mache ich mich im Herbst auch noch auf den Weg den Traum eines jeden Mannes zu erfüllen. Einmal die Route 66 entlang…


Am Samstag ist der 4. Juli, welcher ja bekanntlich der wichtigste Feiertag in den USA ist. Wir werden rechtzeitig an den Strand fahren nach Ocean Beach, von dort wird mal alle großen Feuerwerke sehen, danach gibt es eine große Marshmallow Schlacht mit tausenden von Strandbesuchern. Ganz ohne Frage eine bessere Alternative als dieses Teufelszeug zu essen, schließlich lässt es mein Vertrag mit mir selber nicht zu. Ich werde auf alle Fälle berichten. Bis dahin



LG
aus Americas Finest City


ps. Sag mir mal bescheid ob ich malwieder ein paar Fotos online stellen soll? Diese hier sind nur ein winziger Ausschnitt aus dem unendlichen Fotoarchiv von uns. Da das letzte Mal keine Rückmeldung kam, wäre es super wenn ihr kurz schreiben würdet ob ja oder nein (nicht nur meine Mutter).

7 Kommentare:

  1. Moinsen ihr zwei Süßen,

    nun hab ich mich hier auch mal angemeldet und werde ab sofort meine Kommentare zu euren Geschichten abgeben. :-)
    Der erste fällt leider etwas kurz aus, weil ich gleich wieder arbeiten muss.
    Aber heute Abend kommentiere ich dann die anderen Einträge. :-)

    Zunächst einmal vielen Dank für die ausführliche Berichterstattung. Eure Texte sind einfach super. Man kann sich dadurch ein genaues Bild von dem machen, was ihr dort so erlebt. Leider sind die Berichte teilweise so lang. :-( Klar möchten wir gerne viel erfahren. Das Problem dabei ist nur: wenn man euren langen Post erfolgreich gelesen hat, hat man entweder keine Zeit oder keine Lust mehr einen ausführlichen Kommentar zu schreiben. Denn ein einfach: "yeah voll toll und netter Bericht" ist ja auch nicht wirklich angebracht. Schließlich investiert ihr jedes Mal sehr viel Zeit in eure Berichte. Dann sollten wir uns bei den Kommentaren auch etwas Mühe geben. ;-)



    Zum Abschluss sei noch schnell gesagt: KLAR WOLLEN WIR JEDE MENGE NEUE FOTOS SEHEN!!!!!!!!!!!!!
    Sowas peppt nämlich den Bericht etwas auf und man bekommt gleich Lust einen Kommentar zu hinterlassen. ;-)

    So, wie gesagt, die restlichen Kommentare gibt es heute Abend. Nun muss ich leider arbeiten. :-(



    Liebste Grüße aus dem schwülen Hamburg


    Euer
    Christoph

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  2. Hey Bro,

    freut mich riesig malwieder was von dir zu höhren.Ich hoffe dir geht es auch super. Wenn dir langweilig ist und du nicht weißt was du mit deinem Urlaub anfangen sollst, komm bei mir vorbei:)

    Mit den langen Berichte hast du recht. Vielleicht werde ich es in Zukunft so machen das ich die Beiträge aufteile und sie über ein paar Tage verteilt veröffentliche. Schaun wir mal.

    Du brauchst keine Kommentare mehr über die alten Beiträge schreiben, es reicht ganz aus wenn du einfach in Zukunft ab und an mal was schreibst.

    Grüße deine Eltern ganz lieb von mir.

    Gruß Steven

    Muss jetzt ins Bett

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  3. Guten Morgen Ihr Zwei!
    eigentlich wollte ich mir den Kommentar dieses Mal verkneifen, da Steven ja so sachte darauf hingewiesen hat, aber es kommt immer anders als man sich vornimmt! Ich muss Christoph etwas beipflichten, etwas kürzer, aber dafür häufiger wäre schon sehr schön! Aber super das
    es so umfangreich ist, man fühlt sich gleich wie in SD, wenn man das ließt! Es wäre schön, wenn es noch mehr Bilder gibt! Vielleicht auch von Hawaii, obwohl man ganz schön neidisch wird, wenn man das sieht! Ich möchte am liebsten ins Flugzeug steigen und mir das selbst mal anschauen.
    Schön, dass die Trennung auch positive Seiten
    hat!
    Du und Fitness das kann ich mir garnicht vorstellen, wo Du dich hier doch immer erfolgreich davor gedrückt hast! Aber das steht Dir bestimmt gut mal ein paar Muskel am Oberkörper zu bekommen! Du kannst ja mal ein Foto als Kostprobe einstellen!
    Super schönes Foto von Dir und Jana....!
    Der Mazda lebt noch und wird regelmäßig bewegt
    und was mit dem Auto vor Ort? Kannst Du bei dem Wetter ja auch gut nutzen, somit vermisst Du Dein Auto wohl auch nicht!
    Sonnige Grüße aus dem Norden!
    Homay

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  4. Natürlich wollen wir ganz viele Fotos!!!!

    Schöne Grüße aus Bremerhaven von Steffi Hexe

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  5. Ich möchte auch ganz viele Fotos sehen, weil ich dich und life in SD doch nicht mehr live erlebe :)

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  6. Ich hab gerade leider nicht die Zeit mir das komplett durch zu lesen, mach ich morgen... aber ich wollte euch einen tollen 4.Juli wuenschen bzw 4th of July. Independence Day. Unabhaengigkeits Tag.... Ich hoffe ihr habt viel spass...


    die Jenny

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  7. >>>Verschoben<<<
    Hallo Steven,
    hier meldet sich mal die andere Mutter:-))
    Ein sehr interessanter Bericht, der ja spüren
    lässt, dass du unsere kleine Feldmaus ganz schön vermisst. ;-)
    Ich wünsche dir noch eine angenehme Zeit, ohne
    die Russen und hoffe, dass deine Befürchtungen diesbezüglich nicht zu arg werden.
    Ausserdem kann ich verstehen , dass du dich sorgst bezüglich der Haie. Also pass gut auf dich auf, denn wir wollen dich mit Muskelarmen
    zurück und zwar mit beiden!!!!
    PS: Fotos sind für uns Daheimgebliebene immer toll!! Wir warten auf die nächsten!!!
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Lütjensee
    senden dir die Langbeine - Sabine und Uwe

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